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Die Union von 1821

Urkunde über die Vereinigung beider Evangelischen Kirchen in dem Großherzogtum Baden
Vom 26. Juli 1821(Reg.Bl. 1821, Beil. zu Nr. XVI)
"Gleich hochherzig und gleich begeistert für die Wahrheit, wie sie der Welt im Evangelium offenbar geworden, trennten sich nichts destoweniger unsre frommen Vorfahren in einer Hauptlehre derselben. So entstanden die evangelisch-lutherische und die evangelisch-reformierte Kirche. Jede von beiden hielt an ihrer Lehre fest, verteidigte sie und bestritt die ihr gegenüber befindliche; in jeder gewann allmählich der Ritus, die Verfassung und die innere Einrichtung der Kirche eine eigentümliche Gestaltung. So erhielt sich die Trennung durch drei Jahrhunderte hindurch."

Dieses Jahr feiert unsere Kirche ein Jubiläum:

Vor 200 Jahren entstand unsere Evangelische Landeskirche in Baden durch eine Union der evangelisch-lutherischen und evangelisch-reformierten Gemeinden. Wie kam es eigentlich dazu?

Der damals neue Staat Baden war durch territoriale Umwälzungen vor und während der napoleonischen Zeit entstanden. Das Staatsgebiet verzehnfachte sich, zwei Drittel der Bevölkerung waren katholisch und das evangelische Drittel war zudem in lutherisch (v.a. im früheren Baden-Durlach) und in reformiert (v.a. in der Kurpfalz) getrennt.

Bereits vor den staatlichen Neuordnungen ab 1815 (Wiener Kongress) hatte man in Baden eine Fusion der Kirchenverwaltungen versucht. Man wollte eine einheitliche evangelische Kirche für das ganze Territorium. Das Vorbild der protestantischen Unionen ab 1817 zum 300jährigen Reformationsjubiläum in anderen deutschen Ländern motivierte das moderne Bürgertum in der Kurpfalz, die Stimme für eine Union zu erheben. Man spricht deshalb von einer „Union von oben“ und „von unten“.

Ab 1818 wurde die Unionsbildung seitens der zuständigen staatlichen Behörden vorbereitet. Als die Generalsynode am 2. Juli 1821 zusammentrat – sie bestand nahezu ausschließlich aus leitenden Geistlichen, Verwaltungsjuristen und besitzenden Ständen –, ging es um folgende Themen: Ordnungen und Finanzen, eine Unionsurkunde mit der zwischen den evangelischen Konfessionen heiklen Frage des Abendmahls. Man fand einen klug formulierten Kompromiss in der Einsicht, dass man nicht in der „Sache“ des Abendmahles getrennt sei, nämlich der Gemeinschaft mit Christus, sondern lediglich in der jeweiligen Vorstellung. Man konnte sich gegenseitig gelten lassen und verabredete für die Zukunft nähere Klärungen.

Ende Juli 1821 stimmte die Generalsynode für die Union zum Reformationsfest 1821. Fortan war man in Baden als Protestant schlicht „evangelisch“. Eine Staatskirche blieb man noch bis 1918.

20. Jhdt
Der Erste Weltkrieg brachte unfassbares Leid auch nach Baden. An vielen Orten wurde nationalistisch gepredigt. Nach Abdankung des Großherzogs 1918 musste auch die Kirche neu aufgestellt werden. In Baden entstehen mehrere „Kirchenparteien“ ähnlich wie im Politischen.

1946
Wiederum folgt auf eine stabile volks- kirchliche Phase in den 20er Jahren kirchliche Irritationen auf Grund wirtschaftlicher Not und politischer Irrwege. Bereits vor 1933 dringt der Nationalsozialismus in die evangelische Kirche ein. Die Institution reagiert zunächst mit einer gewissen organisatorischen Angleichung (etwa mit dem Amt des „Landesbischofs“) und ist willens, auch der NS-Obrigkeit weit entgegen zu kommen. Binnenkirchlicher Protest wird laut (Bekennende Kirche). Mehr schlecht als recht kommt man durch die NS-Terrorjahre (Eingliederung in und Ausgliederung aus der NS-Reichskirche 1934; Einrichtung der NS-hörigen Finanzabteilung 1938; uneindeutiger Kurs der Kirchenleitung), entsprechend kann Landesbischof Julius Kühlewein Ende 1945 nicht im Amt bleiben. Große Schäden entstanden durch den Zweiten Weltkrieg.

1971
1958 wird eine zeitgemäße Grundordnung angenommen, Arbeitsbereiche werden gestärkt, landeskirchliche Einrichtungen entstehen, Gesang und Liturgie werden reformiert. In Theologie und kirchlicher Ausbildung wird der „Mensch“ und die „Gesellschaft“ wichtiger. 1971 können Frauen endlich ordinierte Gemeindepfarrerinnen werden.

1996
Verstärkt spielen gesellschaftlich-politische Fragen wie Atomwaffen, Kernkraft, Menschenrechte, Frieden und Gerechtigkeit eine starke Rolle. Mit Gemeinden in Berlin-Brandenburg bestehen Partnerschaften, die vielerorts nach Ende der Ost-West-Konfrontation nicht fortgeführt werden. Klaus Engelhardt prägt die Kirche mit seiner sowohl frommen als auch politischen Art – und als Ratsvorsitzender über Baden hinaus. Kurz vor dem 175. Jubiläum der Kirche werden neue Liturgien und das aktuelle Gesangbuch eingeführt

2021
Die Volkskirche ist seit den 70ern, spätestens seit den 90ern in einem Umbau. Immer wieder kommt es im zurückliegenden Vierteljahrhundert zu Strukturreformen. Das Jubiläumsjahr der Reformation 2017 sollte der „Kirche der Freiheit“ neuen Schwung geben, aber auch im badischen Jubiläumsjahr 2021 werden – nicht zuletzt auf Grund von demographischen und finanziellen Prognosen – intensive Debatten um die zukünftige Gestalt von Kirche und über „Ressourcenverteilung“ geführt.

Schlussworte der badischen Unionsurkunde, 26.Juli 1821

Die wichtigsten Auszüge der Unionskurkunde finden Sie auch im Evang. Gesangbuch unter der Nummer 886!

Lesetipps:

  • Georg Gottfried Gerner-Wolfhard, Kleine Geschichte des Protestantismus in Baden, Kar-sruhe 2013; https://www.ekiba.de/ html/content/badische_kirchenge- schichte.html und www.unisono2021.de.
  • Ulrich Bayer/Hans-Georg Ulrichs (Hgg.), Erinnerungsorte des badischen Protestantismus, Neulingen 2020
 

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